Was haben meine Eltern damit zu tun, wie ich meine Führungsrolle wahrnehme?


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Führungskräfte und Menschen mit Veränderungswünschen kommen mit ganz unterschiedlichen Themen und Zielen ins Coaching, z.B.

  • "Ich will einen anderen Job"
  • "Ich will den nächsten Karriereschritt machen." 
  • "Bei uns ist gerade viel los im Unternehmen, von allen Seiten zerrt es an mir. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht und möchte Prioritäten anders setzen". 
  • "Ich bin gerade befördert worden und möchte in meiner neuen Rolle gut ankommen".
  • "Ich habe gerade das Unternehmen gewechselt und möchtemich dort gut positionieren".
  • "Ich möchte die Probezeit erfolgreich bestehen".
  • "Ich arbeite gerade zuviel, irgendwas ist verrutscht und ich brauche Begleitung, um wieder  Balance zwischen Beruf und Privatleben finden".
  • " Ich habe immer wieder Konflikte im Team / mit meiner Führungskraft/ mit Kollegen und möchte anders daran gehen".
  • "Ich bin gerade beruflich gescheitert und möchte reflektieren, was das mit mir zu tun hatte, um mich gut für meine nächste Position aufzustellen". 
  • "Ich wünsche mir mehr Präsenz in herausfordernden Situationen".

Und das sind nur einige ausgewählte Ziele und Wünsche, die je nach Klient*in unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. 


Was haben denn die Eltern mit meinem Führungs-/Verhalten zu tun?

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Wenn es um klare Karriere-Ziele und die Vorbereitung auf konkrete Gespräche geht, dann sind die Eltern meistens kein Thema.

Wenn allerdings Persönlichkeitsentwicklung im Fokus steht -  90% der Führungskräfte-Coachings gehen mit Persönlichkeitsentwicklung Hand in Hand - sind wir irgendwann auch mal bei den eigenen Eltern. Meine Klienten und Klientinnen reflektieren dann  wodurch und wie ihre Werte, Prägungen und/oder ihre Verhaltensmuster entstanden sind:

  • Für was gab es früher Anerkennung und Aufmerksamkeit?
  • Welche Gefühle und welches Verhalten waren erlaubt?
  • Und welche Gefühle (explizit oder implizit) nicht?
  • Wem will ich immer noch etwas beweisen?
  • Über welche Themen wurde gesprochen? Und über welche nicht?
  • Welche Werte und welches Verhalten haben meine Eltern mir vorgelebt?
  • Welche expliziten und impliziten Familienregeln gab es ? 
  • Wie war der Umgang mit Konflikten und Stress?

In der Transaktionsanalyse gibt es das Konzept der Ich-Zustände: Vereinfacht gesagt, hat jeder Mensch innere Anteile in Form des

  • Eltern-Ichs (introjizierte und übernommene Werte, Regeln, und Denken der Elternpersonen) - unterschieden wird zwischen dem kritisch/kontrollierenden und dem fürsorglichen Eltern-Ich
  • Erwachsenen-Ichs ( angemessene Reaktion auf das Hier und Jetzt)
  • Kind- Ichs (selbstentwickeltes Denken, Fühlen und Verhalten in Anpassung an das familiäre Umfeld und die früher von den Eltern und Geschwistern erhaltenen Botschaften)

Wenn wir diesen erhaltenen Botschaften und übernommenen Werten keine eigenen Werte, keine eigene Haltung gegenüberstellen, kann es dazu kommen, dass wir uns in der Führung und im Job so verhalten, wie unsere Eltern sich verhalten haben oder wie wir meinen, uns verhalten zu müssen.

Manch einer lebt im Extremfall ein "falsches Leben". Weil die eigenen Wünsche, Ziele, Bedürfnisse und Werte zuweilen gar nicht erkannt oder nicht gelebt werden.


Sich mit dem eigenen "Geworden-Sein" auseinanderzusetzen, ist eine Voraussetzung für Self-Leadership und ein erfülltes Leben

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Der Blick auf die eigenen Familienmuster kann sinnvoll sein, um eigenes Denken und Fühlen einzuordnen und Verhaltensautomatismen verstehen und unterbrechen zu können. 

Immer wieder wird dabei auch ein verletztes inneres Kind sicht- und fühlbar, das verzweifelt versucht hat, Anerkennung zu erhalten und dieses Muster bis heute fortsetzt.

 

So können im Coaching - Prozess vielfältige Aha-Momente entstehen

🟢 Thomas, der es als Teamleiter allen (Mitarbeitende und Führungskraft) recht machen will, weil er dadurch in seiner Herkunftsfamilie Anerkennung und Liebe erhalten hat. Dadurch neigt er zu Überanpassung und Überarbeitung. Er kann sich schwer abgrenzen und zieht immer mehr Aufgaben an sich. In seiner Entwicklung darf er eigene Bedürfnisse spüren und wichtig nehmen und sich stärker abgrenzen lernen.

🟢 Sabine, Vertriebsleiterin, geht Konflikten aus dem Weg, weil in ihrer Familie Konflikte grundsätzlich nie thematisiert wurden. Ihr Vater ist dann irgendwann explodiert und alle Familienmitglieder mussten dies über sich ergehen lassen.

Heute werden Konflikte in ihrem Team weder angesprochen noch von ihr moderiert. Es brodelt zunehmend unter der Oberfläche. Die Atmosphäre im Team ist angespannt. 

Ihre eigenen Konfliktmuster zu reflektieren, ist ein erster Schritt zu erkennen, dass Konflikte nicht von selbst weggehen, wenn man sie ausblendet. Im zweiten Schritt gilt für Sabine, ihre Konfliktkompetenz zu stärken und sowohl eine gelassenere Haltung als auch die erforderlichen Skills zu entwickeln, Konflikte zu moderieren und zu lösen.

🟢 Sven, dem bewusst wird, dass er Anerkennung nur für Leistung erhalten hat. Dies erkennt er als Schlüssel dafür, dass er rund um die Uhr arbeitet und ihm die Anerkennung anderer nie ausreicht. 

🟢 Martin, der sich an die Erwartungen seiner Führungskraft "überanpasst", weil er versucht, Anerkennung (immer noch von seinem Vater) zu erhalten.


Allein die Bewusstheit ist ein erster Schritt

Manchmal reicht tatsächlich ein Aha-Erlebnis, eine Erkenntnis als Anstoß, um etwas zu verändern.

Vielfach sind Denken, Fühlen und Verhalten aber so eingefahren, dass Menschen Denk- und Fühlmuster aus der Herkunftsfamilie wie eine alte Haut abstreifen müssen.
Oder sortieren, was sie beibehalten wollen und was heute nicht mehr passt. 

Und dann gilt es , neue Verhaltensoptionen auszuprobieren und zu festigen. 


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Manchmal entstehen ganz neue Lebenswege

Nicht immer nimmt es die Entwicklungen, die ich wie folgt beschreibe.  Hin und wieder gehen Klienten und Klientinnen ganz neue Lebenswege oder lassen alte Themen, an denen sie krampfhaft festgehalten haben los:

 

🌞 Lothar, der Leiter eines Immobilienbüros, der etwas anständiges lernen sollte, hat eine Tauchschule am Roten Meer eröffnet

🌞 Klaus, der selbständige Versicherungsmakler, der sich langjährig nebenberuflich weitergebildet hat und jetzt seinen Weg als Speaker und Moderator gefunden hat.

🌞 Leonie, die leitende Ärztin, die den Arztberuf nur gewählt hat, weil das in ihrer Familie
so üblich war. Jetzt arbeitet sie als Künstlerin im eigenen Atelier und unterstützt in Teilzeit die
kaufmännische Leitung eines Pflegeheims.

🌞 Beate, die immer Führungskraft werden wollte und sich dafür sehr anstrengte, bisher vergeblich. Im Rahmen eines Coachings erkannte sie irgendwann, dass dieses Ziel gar nicht aus ihr heraus kam. Sie übernahm die Leitung einer Anfängergruppe im Reitverein und arbeitet zufrieden in ihrem bisherigen Job weiter.

🌞 Max, der angestellte Sales Manager, der sich als Sales Trainer selbständig gemacht hat

🌞 Petra, Vertriebsleiterin arbeitet nebenberuflich als Wirtschafts-Mediatorin in einer
Schlichtungsstelle und erlebt dort Erfüllung und Abwechslung, die sie in ihrem Routine-Job nicht mehr oft erlebt.

🌞Robert, der Abteilungsleiter, der irgendwann mal als "bester Sachbearbeiter" in diese Position kam, eigentlich aber mehr Lust am Operativen hat. Was er zum Leidwesen seiner Mitarbeitenden auch als Abteilungsleiter weiter betrieb, fand mit seinem Chef eine Lösung, in der er wieder als Senior-Experte arbeitet und die Führungsaufgabe an eine Kollegin abgegeben hat.

 

Sich von übernommenen Werten und Botschaften frei zu machen und eigene Werte und Bedürfnisse zu leben und zu entdecken, führt zu mehr Zufriedenheit, Glück und freudvollen Beziehungen.

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