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Passiv-aggressives Verhalten im Team

Jeder Mensch hat seine eigene, ganz individuelle Art, mit Schwierigkeiten und Konflikten umzugehen. Es gibt Persönlichkeiten, die sind leicht reizbar, springen bei jeden Anlass an und machen ihrem Unmut lautstark Luft.

Es gibt Menschen, die versuchen, konstruktiv mit Schwierigkeiten und Konflikten umzugehen, haben eine angemessene Frustrationstoleranz und sprechen das Gegenüber klar und konstruktiv auf Störendes an.

Und dann gibt es Menschen, die ihren Missmut indirekt zum Ausdruck bringen, weil sie konstruktive Bewältigungsstrategien nicht gelernt haben und  über eine geringe Frustrationstoleranz verfügen.

Diese Menschen haben eine negative Grundeinstellung, zeigen nach außen aber durchaus auch ein anderes Gesicht. Sie sabotieren konstruktive Lösungsmöglichkeiten allerdings durch entsprechend passiv-aggressives Verhalten.

Was ist passiv-aggressives Verhalten eigentlich?

Der Begriff ist allenthalben geläufig, eine genaue Definition aber gar nicht so einfach.

 

Menschen, die zu passiv-aggressivem Verhalten neigen, haben oft ein tiefgreifendes Muster negativer Einstellungen und leisten passiven Widerstand gegen Leistungsanforderungen und Veränderungen. Dies bezieht sich insbesondere auf den beruflichen und sozialen Kontext und ist verbunden mit der meist ungerechtfertigten Annahme, immer missverstanden oder ungerecht behandelt zu werden. Konflikte werden von Menschen mit passiv-aggressiven Verhaltensmustern nicht konstruktiv angesprochen, sondern innere Ablehnung, ein "Genervtsein" und kritisches Feedback werden versteckt, sind aber für alle deutlich wahrnehmbar. 

Frustration oder Ärger werden somit nicht klar, sondern über Umwege zum Ausdruck gebracht,

indem beim Gegenüber versucht wird, ein schlechtes Gewissen hervorzurufen. 

 

Gerade im beruflichen Umfeld ist passiv-aggressives Verhalten ungünstig, da Ärger und Frustration

im Untergrund schwelen und schleichend die Stimmung im Team vergiften. Das Risiko der Ansteckung ist nicht gering und nur reife Teams konfrontieren diese Verhaltensweisen im Ernstfall. 

Wie entstehen passiv-aggressive Muster und

wie äußern sie sich?

Die Ursachen für passiv-aggressives Verhalten liegt meist in der Kindheit und ist in den Familienmustern zu suchen:  

  • Wie wurden in der Familie strittige Themen angesprochen?
  • Wie wurden Konflikte bewältigt?
  • Gab es implizite oder explizite Regeln, die besagten
    "Konflikte sind unbedingt zu vermeiden" oder "Der Klügere gibt nach?"

Jeder Mensch zeigt durchaus mal passiv-aggressive Verhaltensweisen.

Problematisch wird dies nur, wenn es sich zum festen Verhaltensmuster entwickelt. 

Kommen Ihnen folgende Verhaltensweisen bei sich selbst oder anderen bekannt vor?

  1. Jemand im Team arbeitet absichtlich langsam oder beendet eine unliebsame Aufgabe nicht und behindert damit den Arbeitsfluss.
    Damit wird die Strategie verfolgt, dass sich ein anderer erbarmt oder die Führungskraft diese Aufgabe das nächste Mal an jemanden im Team vergibt.
  2. Passiv-aggressive Menschen beschweren sich bei Ärger gern bei allen anderen, aber nicht bei denen, die es betrifft. Dadurch werden sie ihren Frust zwar los, tragen aber nicht zu einer Lösung bei.
  3. Jemand ist wiederholt unpünktlich und reagiert unwirsch, wenn er darauf angesprochen wird.
  4. Die direkte Konfrontation wird vermieden. Oft wird dann auch direkter Blickkontakt zum Kontrahenten vermieden. Sofern diese Menschen direkt darauf angesprochen werden, ziehen sie sich zurück und schmollen. Dadurch soll beim Kontrahenten ein schlechtes Gewissen erzeugt werden.
  5. Das Verhalten passt nicht zur Aussage: „Ja, ich komme gern mit“ und dann wird getrödelt und tausend Sachen werden vorher noch erledigt. Denn eigentlich hat der Passiv-Aggressive keine Lust, mag dies aber nicht sagen.
  6. Menschen mit passiv-aggressiven Tendenzen reden sich selbst gern schlecht und erhalten dadurch das Bild des missverstandenen Einzelkämpfers aufrecht, der sich ungeliebten Herausforderungen gar nicht erst stellen muss.
  7. Passiv-aggressive Menschen unterdrücken ihren Ärger und machen nach außen für lange Zeit gute Miene, währenddessen es innerlich schon brodelt. Machen Sie den Selbstcheck: wenn Ihre Haltung nach außen ein anderes Bild zeigt, als Ihre Gedanken zu einem konkreten Sachverhalt sind, könnte es sich um eine passiv-aggressive Tendenz handeln. 
  8. Das Teammitglied vergisst etwas zum erledigen, zu dem es eigentlich keine Lust hatte. Hierdurch suchen passive-aggressive Menschen einen indirekten Weg, ihre Meinung auszudrücken.
  9. Auch Manipulationsversuche sind zu beobachten. Statt direkt zu sagen „Ich schaffe es bis morgen nicht“ werden Ausflüchte gesucht „Ich muss um 22 Uhr noch meine kranke Oma zu Bett bringen“ oder wird sich beschwert „Da muss ich dann ja die Nacht durch arbeiten“ mit entsprechendem Augenrollen. Dies ist der Versuch, jemand anderen dazu zu bringen, Teile der Aufgabe zu übernehmen, ohne es direkt und erwachsen anzusprechen.
  10. Passiv-aggressive Menschen geben auf eine klare Frage selten eine klare Antwort:
    "Kann sein", "vielleicht", "mal sehen" und das Gegenüber weiß nicht so recht, woran er oder sie ist. 

 

Passiv-aggressives Verhalten ist sichtbar und hörbar

 

Wenn wir hinschauen, können wir dieses Verhalten deutlich wahrnehmen:

  • Der Kollege, der mit den Augen rollt.
  • Die Kollegin, die neue Vorschläge mit „Darauf haben wir gerade gewartet“ kommentiert.
  • Die Führungskraft, die ein Lob mit Kritik verbindet „Das war ein guter Bereicht, wenn ich bedenke, dass Du eigentlich dauernd draußen am Rauchen bist“.
  • Die ausweichende Antwort auf eine direkte Frage.
  • Die abgewandte oder rebellische Körpersprache 

 

Tipps für den Umgang mit passiv-aggressiven Menschen

Wie geht man nun am besten mit Menschen um, die passiv-aggressive Verhaltensweise zeigen?

Zunächst einmal sind die eigenen Erwartungen zu strukturieren: Das, was über Jahre im Familienkontext gelernt wurde, lässt sich nicht von heute auf morgen ablegen. 

Dennoch gibt es ein paar Tipps für Führungskräfte und Kollegen:

  • Lassen Sie sich nicht provozieren. Bleiben Sie ruhig, sachlich und freundlich.
  • Sprechen Sie Wahrnehmungen an! Fragen Sie nach und sprechen Sie den betreffenden Kollegen in einem Vier-Augen-Gespräch gesichtswahrend an.
  • Versuchen Sie die Motivation zu ergründen. Vielleicht hat der Betreffende Angst vor Ablehnung oder Angst, nicht gut genug zu sein. Deshalb weicht er Leistungsanforderungen aus. 
  • Leben Sie eine Lernkultur vor, in der Fehler gemacht werden dürfen und alle daraus lernen können. Dann besteht die Chance, dass auch passiv-aggressive Menschen sich mehr zutrauen.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein – je stärker dieses ist, desto mehr traut sich der- oder diejenige, ihren Ärger offen auszusprechen. Dazu geben Sie positives Feedback auch dann, wenn die offene Ansprache nicht gleich perfekt gelingt.
  • Setzen Sie Grenzen und formulieren Sie Erwartungen an Verhalten und Leistung. 
    Halten Sie diese Grenzen durch und bleiben Sie dran.
  • Unterstützen Sie den Erkenntnisprozess durch immer wieder liebevolle, aber klare Konfrontation.

Bei besonders festsitzenden Verhaltensmustern stellen Sie dem Betroffenen einen internen oder externen Coach zur Seite. Dieser hat Erfahrungen in der Arbeit mit derartigen Verhaltensmustern und kann Wahrnehmungen deutlicher ansprechen, ohne die Arbeitsbeziehung zu gefährden. 

 

 

Passiv-aggressive Verhaltensmuster sind übrigens weit verbreitet, nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern auch in privaten Beziehungen. Gerade deshalb ist es so wichtig, seinen Blick dafür zu schärfen und diesem Verhalten entsprechend zu begegnen, damit es die (Arbeite)-Beziehung nicht vergiftet.

Sie wollen mehr wissen oder haben ein Thema? Ich berate Sie gern.

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