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Wie Veränderung gelingt

Fotos : Copyright Kathrin Rehbein, springender Mann: Freestockgallery

 

Die Zeit um den Jahreswechsel herum ist irgendwie magisch und ein guter Zeitpunkt, sich Fragen zu stellen im Sinne einer Bestandsaufnahme, die alle Lebensbereiche betreffen kann:

Familie, Beruf, Partnerschaft, Freunde, Umfeld und mich selbst.

 

·     Womit bin ich zufrieden?

·     Was ist mir gut gelungen?

·     Welche Bedürfnisse habe ich? Und inwieweit wurden diese erfüllt?

·     Was möchte ich beibehalten? Was möchte ich intensivieren? 

·     Was möchte ich loslassen?

·     Wovon brauche ich mehr, wovon weniger? 

·     Welche Ressourcen und Kompetenzen habe ich und welche gilt es auszubauen, um neue Verhaltensweisen zu erlernen? 

 

Damit dies nicht bei allgemein gehaltenen guten Vorsätzen bleibt wie z.B. mit dem Joggen anzufangen, ein paar Kilo abzunehmen, uns gesünder zu ernähren oder auch mehr Genussmomente in unseren Alltag einzubauen, bezogen auf den Job z.B., uns endlich besser zu verkaufen, mehr zu loben, in Meetings unsere Meinung zu vertreten und nicht gleich jede Zusatzaufgabe zu Lasten von Überstunden anzunehmen, ist Übung und u.U. Begleitung sinnvoll.

 

Gute Vorsätze stehen für den Wunsch, Verhalten zu ändern und unerfüllte Bedürfnisse zu befriedigen. Im besten Fall nehmen wir unsere Bedürfnisse wahr und können sie sogar benennen. Oft bleiben sie aber unbewusst und diffus.

Werden unsere Grundbedürfnisse z.B. Hunger, Durst, Bewegung, Ruhe, Bindung, Anerkennung, Selbstbestimmung und Kontrolle anhaltend vernachlässigt, macht uns dies unzufrieden oder gar krank und wir spüren Anspannung, Unwohlsein, Missstimmung, spüren Migräne oder „Rücken“. 

 

Unser Verhalten wird von verschiedenen sozialen und persönlichen Umgebungsfaktoren beeinflusst:

1.    Die individuelle persönliche Ebene: Einstellung, Wissen, Kompetenzen und Vorstellungen

2.    Die soziale Ebene, also die Interaktion mit Familie, Freunden, Kollegen

3.    Die Umgebungsebene, also das Umfeld, in dem die Person lebt, also Arbeitsplatz, Schule, Einrichtungen, Infrastruktur.

 

Das Rauchen wird gern herangezogen, um zu demonstrieren, wie schwer es ist, schädliche Verhaltensmuster abzulegen. Der wesentliche Grund für einen Ausstieg aus schlechten Angewohnheiten oder schädlichen Verhaltensmustern ist ein Mangel an Motivation und Selbstdisziplin, denn Gewohnheit gibt uns Struktur und Sicherheit. Wir vermeiden es gern, uns auf unsichere Pfade zu begeben, wir wollen Unvorhergesehenes vermeiden und die Kontrolle behalten. Wir betrügen und manipulieren uns selbst und neigen dazu, uns etwas vorzumachen (keine Zeit, zu viel Arbeit, keine Gelegenheit), um alte Gewohnheiten nicht aufgeben zu müssen. Und so bleibt es oft bei dem Vorsatz.

 

Wie gelingt eine Verhaltensänderung dennoch?

 

1.    Bewusstmachung ist der erste wesentliche Schritt; wer sich seiner negativen Verhaltensmuster und der dahinterstehenden Bedürfnisse nicht bewusst ist, kann auch nichts verändern.

2.    Wir sollten unser Verhalten auch ändern wollen

3.    Suchen wir uns eine motivierende Zielformulierung z.B. ein Mottoziel (aus dem Zürcher Ressourcen Modell), das eine Haltung verkörpert und belegen diese mit positiven Assoziationen.

4.    Es ist sinnvoll, nicht alles auf einmal verändern zu wollen, sondern an einem Thema zur Zeit zu arbeiten.

5.    Weihen wir uns nahestehende Menschen, die uns wohlgesonnen sind, in unser Vorhaben ein. Und überlegen wir, welche unserer Kontakte uns bei diesem Vorhaben als Vorbild oder durch besondere Motivation unterstützen können.

6.    Beobachten und belohnenwir uns selbst, auch bei kleinen Erfolgen.

 

Hinter jedem Verhalten stecken erlernte Verhaltensmuster:

Essen als Trost oder Belohnung, Rauchen als Ritual der „5 Minuten Zeit für mich selbst“, der Wutausbruch als gelerntes Verhalten, um von einer echten oder vermeintlichen Kränkung abzulenken, das  „sich- im-Job-Überfordern“ als Reaktion auf erlernte Verhaltensmuster in der Kindheit, als wir nur für unsere Leistung gesehen und belohnt wurden usw. 

 

Ein Verhaltensmuster wird in der Verhaltenspsychologie als Reaktion auf einen Reiz beschrieben. Der Zusammenhang zwischen Reiz und Reaktion wird in Körper und Gehirn abgespeichert und kann erinnert werden. Zwischen Reiz und Reaktion liegt eine Zeitspanne, die es uns in vielen Situationen ermöglicht, anders zu reagieren und schädliche Verhaltensmuster zu verändern:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit“ 
( Viktor Frankl, Wiener Neurologe und Psychiater).

 

Wer negative Verhaltensweisen nicht aus eigener Kraft ablegen kann, für den kann es hilfreich sein, bei der sukzessiven Veränderung von Verhalten oder Gewohnheiten Unterstützung durch ein zeitlich befristetes Coaching zu erhalten.

 

Manche Verhaltensänderungen sind scheinbar kurzfristig und leicht zu erreichen:

·     Mehr Wasser trinken

·     Täglich zwei Einheiten Obst zu essen

·     Die Treppe statt des Fahrstuhls nutzen

·     Dreimal in der Woche joggen

 

Oder auch nicht. Für andere Verhaltensänderungen braucht es etwas länger, da alte Glaubenssätze und Bedürfnisse hinterfragt und verändert und neue Verhaltensweisen und Routinen erlernt werden:

·     Weniger Überstunden machen

·     Mehr Zeit für die Familie haben

·     Eigene Bedürfnisse spüren und aussprechen

·     Seine Meinung im Kollegenkreis auch gegen Widerstand vertreten

·     Seinen Führungsstil beziehungs- und menschenorientierter gestalten

·     Verantwortung abgeben ohne sich schlecht zu fühlen

 

Wie lange eine Verhaltensänderung dauert, lässt sich schwer voraussagen. Dies hängt neben der Motivation unter anderem vom Alter des Betreffenden, seiner Persönlichkeit und der Art der Veränderung statt. Einem 30jährigen fällt eine Veränderung in der Regel leichter als einem 70jährigen, mehr Wasser zu trinken ist leichter, als seine Ernährung komplett umzustellen.

Die Treppe zu nehmen ist unter Umständen leichter als seine Meinung auch gegen Widerstand zu vertreten – ersteres kann durch Priming unterstützt werden, seine Meinung zu vertreten erfordert unter Umständen das Loslassen und Überschreiben alter Glaubenssätze, das Trainieren neuer Kompetenzen und Fertigkeiten und dadurch Erhöhung des Selbstbewusstseins.

 

Das Zürcher Ressourcen Modell unterstützt die Umsetzung von Veränderungen durch einen auf der Haltungsebene ansetzenden Prozess, der sehr gut in der Arbeit mit Menschen aber auch im Selbstmanagement anwendbar ist. Wer das Modell kennen lernen will, ist herzlich dazu eingeladen, sich einen der letzten Plätze im Seminar am 1.2.2020 in Hamburg zu sichern.

 

Eine mit einer Verhaltensänderung verbundene Persönlichkeitsentwicklung kann sinnvollerweise mit einem Coaching und/ oder regelmäßiger Supervision für berufliche Situationen begleitet werden. Sprecht mich bei Bedarf für eine erste Bestandsaufnahme gern an.

 

www.kathrinrehbein.de