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Das Gute am Schlechten oder was ist das Positive am Konflikt?


Wenn ich Fach- und Führungskräfte in Unternehmen auf Konflikte anspreche, dann erlebe ich sehr unterschiedliche Reaktionen.

Von "ich sehe keinen Konflikt, welchen meinen Sie?" über "ja also, der XY hat zwar einen Konflikt mir mir.
Ich habe aber keinen Konflikt mit ihm" bis hin zu "Ja, der Grund für diesen Konflikt ist nachvollziehbar... " es folgt eine sehr lange Erklärung.... "und weil sich das nicht ändert, kann man den Konflikt auch nicht lösen".  Und manchmal auch ein resignatives "das ist bei uns im Unternehmen eben so" bis hin zu "ich weiß auch nicht, warum immer ich dieses Problem habe".

Ich höre selten bis gar nicht "Ja, das war mal ein knackiger Konflikt, den haben wir so und so gelöst". oder "aus dem Konflikt haben wir .. gelernt". 

In der Psychologie und Organisationspsychologie haben Konflikte nicht nur negative Seiten, sondern bergen auch positive Aspekte.

Konflikte fördern die gemeinsame Diskussion 

Wenn alle immer (m)einer Meinung wären, bräuchte es die anderen nicht.

Das Positive an einer offenen Konfliktkultur ist, dass diskutiert wird und ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird. 

Das geht auch nicht ohne Emotionen ab, deshalb rate ich Führungskräften und Teams grundsätzlich, die Emotionen nicht auszublenden, sondern offen und lebendig zu diskutieren. Das Einhalten von Spielregeln ist dabei selbstverständlich. Offene Diskussionen fördern die Teamkultur und - wenn geübt -  den Team-Zusammenhalt.

Ein Konflikt lässt Unterschiede deutlich werden

Durch den Austausch unterschiedlicher Meinungen erfahren wir mehr vom anderen und seinen Beweggründen. Je vielfältiger die Ansichten in einem Team, desto qualitativ besser wird die erreichte Lösung. Das setzt voraus, dass wirklich jeder seine Meinung auch gegen eine vermeintliche Mehrheit äußert und äußern darf, und jede Meinung auf ihre Pros und Cons untersucht wird. In einem Konflikt automatisch der Meinung der Mehrheit oder des Stärkeren nachzugeben, mag vielfach geübte Praxis sein, zeugt aber nicht von Schwarmintelligenz, sondern eher vom Gegenteil.

Konflikte stärken den Willen und die Chance zur Veränderung 

Es ist nicht immer sinnvoll, Bestehendes zu bewahren. Gerade in der heutigen VUCA-Welt ist das Thema Innovation und Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und -ideen überlebenswichtig.

Wenn jetzt alle immer einer Meinung wären und nicht um die bestmögliche Lösung und Idee gerungen und gestritten wird, gäbe es keine Weiterentwicklung. Das Team Vorsicht wäre der gesetzte Gewinner. Durch Versuche, die anderen Parteien von der eigenen Meinung zu überzeugen, können notwendige Neuerungen transparent werden und es kann Neues entstehen.

Konflikte erzeugen den notwendigen Druck 

Ohne Konflikte fehlt in Teams oft die Entschiedenheit und die Energie, Probleme aktiv anzugehen.

Wir kennen das alle aus Organisationen: da steht ein Elefant im Raum. 

Gerade in konfliktscheuen Unternehmenskulturen kennen alle das Thema, verdrängen es oder sitzen es aus. Wenn es nicht Menschen mit hoher innerer Unabhängigkeit gibt, die konfliktbereit sind und das Thema ansprechen, Widerstand und Gegenwind nicht persönlich nehmen und immer wieder konfrontieren, würden sich Kernprobleme nicht verändern.

Konflikte führen zu besseren Entscheidungen und fördern Kreativität

Unterschiedliche Meinungen und Kontroversen zwingen uns dazu, eine Entscheidung gründlich zu durchdenken, unterschiedliche Alternativen gedanklich oder prozessual durchzuspielen und sich erst dann für eine Lösung zu entscheiden. 

Gleichzeitig fördern Konflikte die Kreativität , weil wir erfahren, dass es nicht nur die eine Sichtweise, sondern ganz vielfältige Blickwinkel gibt.

Dadurch vertieft sich das Problemverständnis und auch die Chance, kreative Lösungen zu finden.

Konflikte können sogar Spaß machen

Konflikte unterbrechen die tägliche Routine und bringen neue Sichtweisen ins Team.

Voraussetzung hierfür ist, dass nicht überdramatisiert wird, die nötige Distanz zum Problem gewahrt wird und die Konfliktparteien sich nicht gegenseitig abwerten und unter der Gürtellinie angehen.

Was passiert, wenn Konflikte nicht erkannt oder thematisiert werden

Wenn Konflikte immer wieder unter den Tisch gekehrt, verdrängt oder ausgesessen werden und damit ungelöst bleiben, kann es zu Folgendem kommen:

  • Konflikte gären im Untergrund weiter, sorgen für schlechte Stimmung und Ergebnisse
  • Leistungsträger verlassen das Unternehmen, weil sich eh nichts verändert
  • Konflikte können sich auf die Gesundheit der Beteiligten niederschlagen
  • Wenn der Elefant im Raum nicht gesehen werden will, "weil wir es bisher immer so gemacht haben" oder "eine Lösung zu viel kosten würde", dann sage ich aus Erfahrung: die Nichtlösung kosten Zeit, Energie und meistens mehr Geld als eine kurzfristig herbeigeführte Lösung
  • Ungelöste Konflikte bremsen Effizienz und Motivation und führen zu Resignation, Angst und Dienst-nach-Vorschrift- Mentalität.

Wollen Sie das wirklich? Also mutig ran an den Konflikt! Sie machen das sicher gut!

Du willst Deine Konfliktkompetenz weiter entwickeln oder Impulse für die Lösung wiederkehrender Konflikte erarbeiten? Dann sprich mich an für ein Coaching oder melde Dich einfach an im Seminar "Der Konflikt ist die Lösung".

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