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Der Fall aus der Praxis: Bin ich als Führungskraft noch zugehörig?


Lars, (Name anonymisiert)  35, verheiratet, Führungsnachwuchskraft in einem Konzern, kam zu mir ins Coaching, mit dem Wunsch, sich in eine Führungsrolle zu entwickeln.

Wir besprachen seine Situation, er war Potentialträger in einem Nachwuchs-Pool, hatte in Auswahlverfahren gut abgeschnitten und bisher gute Beurteilungen seiner Führungskräfte erhalten.

Er durfte Seminare zu Führung und Persönlichkeitsentwicklung besuchen und brachte seinen Willen zum Ausdruck, sich entwickeln zu wollen.

Das Coaching, für das er sich selbst entschieden hatte, sollte ihn dabei unterstützen, seine Persönlichkeit zu festigen, Situationen vertraulich zu reflektieren (er war sich nicht sicher, ob Informationen aus den Seminaren an seine Personalabteilung weitergegeben wurden). 

Mir fiel auf, das Lars sehr kindlich sprach und zuweilen wenig erwachsen wirkte. Er konnte einerseits gut reflektieren, andererseits versuchte er zu erraten, was ich von ihm erwarten und wie er es mir recht machen könnte. Lars verfügte über einen ausgeprägten "Machs-Recht-Antreiber". 

Er konnte nach Spiegelung durch mich und Reflektieren einzelner beruflicher und privater Situationen gut erkennen, dass ihm dieser Antreiber im Weg stehen könnte und es wichtig wäre, daran zu arbeiten: dass er Vertrauen in sich selbst gewinnt und seine Wahrnehmungen und Bedürfnisse wichtig nimmt. Dass er den Mut hat, einen eigenen Weg zu gehen, auch wenn er damit nicht die Bedürfnisse des Gegenübers bedient.

Auch die Themen "nein sagen" und sich-abgrenzen-können haben wir als Entwicklungsfelder definiert.

 

Jetzt stand eine für ihn aufregende Situation bevor: die Nachwuchskräfte sollten als nächsten Entwicklungsschritt Führungskräfte vertreten. So sollte Lars seine Chefin während deren Sommerurlaub
für 3 Wochen vertreten.

Dies bereitete ihm Bauchschmerzen. Eine erste Reflexion brachte seine Angst, nicht zu genügen und Fehler zu machen zum Vorschein. Lars konnte sich die Erlaubnis, dass er Fehler machen darf und nicht perfekt sein muss, noch nicht aus seinem Gefühl heraus geben, auch wenn er verstanden hatte, dass eine eigene innere Erlaubnishaltung im Sinne von Gelassenheit wichtig ist. 

In der ersten Woche der Urlaubsvertretung bat Lars um einen kurzfristigen Termin "zwischendurch".
Er kam ziemlich unruhig und aufgewühlt und konnte gar nicht recht sagen, was sein Thema war.

Letztlich reflektierte er, dass es ihm schwerfällt, Anweisungen zu geben, Aufgaben zuzuteilen oder auch Entscheidungen zu treffen, mit denen die Gruppe nicht zufrieden sein könnte.

Lars hatte das Gefühl, dass wenn er unpopuläre Entscheidungen trifft, nicht mehr zu seinem Team dazugehört.

Aha!

Wir besprachen die Bedeutung, die Zugehörigkeit für ihn hat. Lars wollte unbedingt weiterhin zum Team dazu gehören. Er erkannte, dass dies auch in einer Führungsrolle im weiteren Sinne zutreffen kann, es aber für ihn nicht dasselbe Gefühl war. Zugehörigkeit war für ihn sehr wichtig. Als Kind musste er häufig die Schule wechseln, da seine Eltern berufsbedingt umzogen. Immer dann, wenn er sich gerade in seiner Klasse zugehörig fühlte, zog die Familie um. Deshalb hatte Lars auch keine langjährig gewachsenen freundschaftlichen Beziehungen.

Lars reflektierte Zugehörigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Kern blieben die Fragen offen,

  • ob er eine rollenbedingte Abgrenzung zu seinem Team / den anderen aushalten lernen kann
  • ob er sein Bedürfnis nach Zugehörigkeit z.B. in seinem privaten Umfeld oder durch Suchen einer anderen Peergroup im Kreis der Führungskräfte befriedigen kann
  • ob ihm situative Zugehörigkeit zu seinem künftigen Team oder eine über das gemeinsame Ziel definierte Zugehörigkeit reichen wird

die er für sich beantworten muss. Bei der Klärung und Entwicklung begleite ich ihn gern.

Er verließ die Sitzung mit dem Satz "Dann muss ich in mich hineinfühlen, ob mir die Übernahme einer Führungsaufgabe wirklich so wichtig ist oder ob mir Team-Zugehörigkeit nicht wichtiger ist."

 


Du möchtest Dich zur Führungspersönlichkeit entwickeln und wünscht Dir Begleitung auf Deinem Weg? Du erkennst Themen, die Deiner (künftigen) Rolle entgegenstehen können?

Sprich mich gern an. ich begleite Dich persönlich oder Online dabei, Dich weiterzuentwickeln.